Island im Bitcoin-Rausch – EURACTIV.de

Island wird diese Jahr wohl das erste Land der Welt werden, in dem mehr Elektrizität zur Schaffung von Kryptowährungen verbraucht wird als von den privaten Haushalten. Ein Bericht von EURACTIVs Medienpartner The Guardian.

Der Bitcoin ist seit dem Hoch im Dezember um mehr als 50 Prozent gefallen, doch in Island scheint das niemanden zu interessieren. Dort verändern Kryptowährungen die Wirtschaft.

Laut Johann Snorri Sigurbergsson vom Energieunternehmen HS Orka wird sich der Energieverbrauch durch das „Schürfen“ von Kryptogeld dieses Jahr wohl auf 100 MW verdoppeln. Das ist mehr als alle isländischen Haushalte jährlich verbrauchen. Auf der Insel leben rund 340.000 Menschen.


Mit „Schürfen“ wird der dezentralisierte Prozess bezeichnet, der das Funktionieren der meisten Kryptowährungen gewährleisten soll. Im Prinzip leisten sich mehrere Computer ein Rennen darum, wer am meisten Energie verpulvert. Alle zehn Minuten „gewinnt“ einer dadurch 12,5 Bitcoin. Auch nach den jüngsten Preisstürzen entspricht dies noch immer mehr als 100.000 US-Dollar.

Durch die vorherigen Preisanstiege des Bitcoin ist es wirtschaftlich, derart viel Energie aufzuwenden. Kürzlich wurde geschätzt, dass das gesamte Bitcoin-Netzwerk ungefähr so viel Energie verbraucht wie Irland. In Island würde nun zum ersten Mal das Schürfen nach Bitcoins den produktiven Energieverbrauch eines einzelnen Landes übersteigen.

Doch warum ist gerade Island so beliebt? Die Antwort, wie so oft: Lage, Lage, Lage – und Vulkane.

Dank letzteren hat Island Zugang zu billiger und mehr als ausreichender Versorgung mit erneuerbarer Energie. Geothermie- und Wasserkraftwerke drücken den Strompreis auf der Insel – und für Bitcoin-Schürfer ist es profitabel, ihre Computer 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag arbeiten zu lassen.

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Doch nicht nur die Magmaströme machen Island zum präferierten Standort für Bitcoin-Computer: Die arktische Luft im nördlichen Land dient als natürliche Kühlung für die massiven Rechnerkapazitäten, die zur Schaffung von Bitcoins inzwischen nötig sind. Somit sparen die Schürfer auch noch Kosten für Klimaanlagen in den Server-Räumen.

Natürlich können niedrige Energiepreise und kalte Luft nicht für immer Profite garantieren, sollten die Bitcoin-Preise weiter fallen. Die Firma Genesis Mining kann weitere Preisverfälle allerdings noch verkraften: Die Firma zog 2014, als der Preis eines Bitcoins noch weit unter 1000 Dollar lag, von Deutschland nach Reykjavik. „Was wir hier machen ist wie Schürfen nach Gold,“ sagte Helmut Rauth von Genesis Mining kürzlich gegenüber der Presseagentur AP.

Im Wilden Westen war der Goldrausch irgendwann vorbei; die Zukunft des Bitcoin ist indes ungewiss.

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